Rotlichtviertel Amsterdam

Amsterdam Nightlife Guide: Das Amsterdamer Rotlichtviertel

Wer nach Amsterdam kommt, tut das vielleicht wegen der holländischen Frikandeln, wegen der legendären Pommeskreationen bei Manneken Pis oder weil die Stroopwafels zusammen mit einem Kaffee auf den belebten Straßen der Stadt besonders lecker schmecken. Vielleicht locken uns aber auch die unzähligen Coffee Shops hierher, in denen die Kaffeevariationen eher Nebensache auf der Karte sind, oder das auf der ganzen Welt bekannte und berühmte Rotlichtviertel von Amsterdam.

Spätestens seitdem im Jahr 2000 Prostitution in den Niederlanden legalisiert wurde, hat sich der Amsterdamer Red Light District zu einer regelrechten Touristenattraktion entwickelt. Und so sieht man heute in den frühen Abendstunden sogar Familien mit Kindern durch die engen Gassen vorbei an den rot beleuchteten Schaufenstern schlendern, in denen die Frauen ihre Dienste anbieten. Klingt kurios? Keine Sorge, zu späterer Stunde verschwinden die Familien nach und nach und das Viertel wird von neugierigen Pärchen, feierwütigen Touristen, Junggesellenabschieden und allerlei wirklich kuriosen Gestalten übernommen.

Das alles kann verstörend wirken, gerade wenn man zum ersten Mal in Amsterdam oder einem Rotlichtbezirk unterwegs ist. Uns ging es nicht anders. Aus Angst irgendwo abgezockt oder gar beklaut zu werden, macht man häufig nicht viel mehr als einen flüchtigen Blick in die Schaufenster oder geöffneten Türen der Läden zu werfen, obwohl man vielleicht gerne mehr gesehen und erlebt hätte. Deshalb geben wir Euch hier einen kleinen Guide an die Hand und verraten Euch, welche Etablissements im Rotlichtviertel von Amsterdam Ihr bedenkenlos besuchen könnt.

Amsterdam bei Nacht

Amsterdam bei Nacht

 

Das Rotlichtviertel von Amsterdam

Das Rotlichtviertel liegt vom Bahnhofsvorplatz des Hauptbahnhof Amsterdam aus gesehen leicht nordwestlich, zwischen Nieuwmarkt (Neumarkt) und De Oude Kerk (Alte Kirche). Das Zentrum befindet sich am Achterburgwal, dort finden sich zahlreiche Läden, in denen es nichts gibt, was es nicht gibt. Zwischen dem Achterburgwal und dem Nieuwmarkt schlängeln sich die teilweise sehr engen Gassen entlang, in denen sich die Damen hinter rot leuchtenden Fenstern räkeln und damit wohl weltweit ein einzigartiges Bild eines Rotlichtviertels kreieren. An Samstag Abenden von Frühjahr bis Herbst schieben sich hier Tausende von Touristen und Einheimischen durch die engen Gassen – in Amsterdam ist Prostitution eine Attraktion. Wer hier aber tatsächlich ein wenig mehr plant als einen „Schaufensterbummel“ und zum Beispiel als Paar oder Gruppe von Freunden etwas erleben möchte, das sich nicht standardmäßig in jedem Rotlichtviertel der Welt finden lässt, dem empfehlen wir die folgenden Läden:

 

Theatre Casa Rosso (OZ Achterburgwal 106-108)

Im Casa Rosso Theater findet die wohl berühmteste Live-Sex Show von Amsterdam statt. Es gibt kein festes Programm und man kann keine Tickets für eine bestimmte Show kaufen – was der Abend bringt, erfährt man erst wenn man drin ist. Für einen Preis von 40€ (online 37€) bzw. 50€ inklusive zwei Drinks (online 47€) kann man solange bleiben und so viele Shows schauen wie man möchte. Ist man als Junggesellenabschied unterwegs, erhält der Bräutigam bzw. die Braut freien Eintritt und kann aktiv Teil der Show werden (true story…). Weitere Infos findet Ihr hier

Casa Rosso in Amsterdam (Bild: “Amsterdam by night (99)” von Photo RNW.org. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0 )

 

Moulin Rouge Amsterdam (OZ Achterburgwal 5-7)

Das Moulin Rouge bietet im Grunde die gleichen Shows an wie das Casa Rosso, auch hier gibt es neben Stripshows und sonstigen Performances eine Live-Sex Show. Tickets können leider nicht vorab online gekauft werden. Da wir selbst nicht im Moulin Rouge waren, können wir zu den Eintrittspreisen nichts Genaues sagen, angeblich liegen sie mit ca. 25-35€ etwas niedriger als im Casa Rosso. Hier gibt es mehr Infos.

Moulin Rouge Amsterdam (Bild: “Amsterdam” von Ricardo Liberato. Lizenz: CC BY-SA 2.0)

 

Bananenbar Amsterdam (OZ Achterburgwal 37)

Die Bananenbar wirkt von außen zwar nicht unscheinbar, aber harmlos. Keine rot blinkenden Lichter, keine Damen und Herren vor der Tür, die versuchen Touristen hineinzulocken, kein angepriesenes Programm. Wer sich hierher auf der Suche nach ein paar Drinks verirrt, der ist zwar nicht grundsätzlich falsch, denn Drinks gibt es hier. Und Bananen? Die gibt es hier auch. Allerdings nicht im Cocktail…

Der Eintrittspreis liegt bei 60€, hierfür könnt Ihr 1 Stunde lang so viel trinken wie Ihr wollt. Was hier in dieser einen Stunde noch passiert, kann man nur erahnen. Etwas gediegener geht es im Bananen Club zu, für 25€ gibt es einen Drink und Stripshows ohne Zeitlimit. Mehr Infos hier.

Rotlichtviertel Amsterdam

Amsterdam bei Nacht

 

Verhaltensregeln für das Rotlichtviertel

Im Rotlichtviertel von Amsterdam gibt es ein paar Regeln, an die sich jeder Besucher (nicht zuletzt zu seinem eigenen Wohl) halten sollte.

1. Keine Fotos oder Videos von den Prostituierten! Nicht in den Fenstern, nicht sonstwo. Wir haben einige Asiaten gesehen, die sich wahrscheinlich aus Unwissenheit nicht daran gehalten haben – das gab Stress. Die Damen machen sich zuerst durch lautes Klopfen an das Fenster bemerkbar, hilft das nicht, kommen sie auch heraus und sorgen dafür, dass man die Aufnahmen wieder löscht. Also haltet Euch an diese Regel. Das hat auch etwas mit Respekt gegenüber den Frauen zu tun.

2. In den engen Gassen zwischen den Schaufenstern und Bars kann es sehr voll werden. So voll, dass man dicht an dicht gedrängt durch die Gassen gedrückt wird. Taschendiebe nutzen insbesondere diese Situationen, also das Hab und Gut lieber sicher verstauen und gut darauf achten.

3. Kauft nichts bei Straßenhändlern. Nichts zu Rauchen, keine anderen Substanzen. Zum Rauchen geht man in die Coffee Shops, am besten in einen gut besuchten, belebten Laden anstatt in einen dunklen, schmuddelig wirkenden in irgendeiner Seitenstraße. Das kostet eventuell ein wenig mehr, aber Ihr seid auf der sicheren Seite was die Qualität angeht.

4. Generell unterliegen die meisten Touristen beim Thema Rauchen einem Trugschluss: Ihr könnt in den Niederlanden zwar Gras etc. in den Coffee Shops legal kaufen, aber der offene Konsum auf der Straße ist genauso untersagt wie bei uns in Deutschland! In Amsterdam drückt die Polizei zwar meist einszweidrei Augen diesbezüglich zu, aber man muss es nicht provozieren. Falls Ihr Rauchen wollt, geht einfach in einen Coffee Shop.

5. Bewegt Euch in den Gassen im Rotlichtviertel immer mindestens zu zweit. Die Taschendiebe und sonstige finstere Gestalten haben es auf Frauen und Männer, die aufgrund von zu heftigem Feiern nicht mehr Herr ihrer Sinne und ihres Bewegungsapparates sind, abgesehen. Verliert Ihr Eure Gruppe und setzt Euch zum Verschnaufen alleine in eine Ecke, bekommt Ihr schnell Besuch.

 

Rotlichtviertel Amsterdam (Bild: “red light–NSFW” von Gina Collecchia. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0)

Coffee Shop in Amsterdam (Bild: “Kneipe im Rotlichtviertel” von Andreas Dantz. Lizenz: CC BY 2.0 )

Erschrocken? Zugegeben, das klingt für den Einen oder Anderen in der Summe vielleicht etwas abschreckend. Aber wenn Ihr Euch an die Regeln haltet, dann könnt im Rotlichtviertel von Amsterdam so außergewöhnliche Abende und Nächte erleben wie an nur wenigen anderen Orten dieser Welt, ohne mit Spätfolgen wie gestohlenen Wertgegenständen leben zu müssen.

Wollt Ihr auf Nummer Sicher gehen, könnt Ihr auch Touren mit einem Guide an Eurer Seite durch das Rotlichtviertel buchen:

 

Sex Palace Amsterdam (Bild: “Rotlicht” von Andreas Dantz. Lizenz: CC BY 2.0)

 

Ein paar Gedanken zum Thema Prostitution

Durch die Legalisierung der Prostitution in den Niederlanden hat das Amsterdamer Rotlichtviertel sein ehemals schmuddeliges Image im Laufe der Jahre verloren. Amsterdam selbst wirbt mit seinem offenen Umgang zu den Themen Drogenkonsum, Sex und Prostitution. Die Schaufenstermeilen sind wie gesagt zu einer regelrechten Touristenattraktion „für die ganze Familie“ geworden, wodurch die Thematik an sich natürlich verharmlost wird. Daher ist es uns wichtig zu sagen, dass wir das Amsterdamer Rotlichtviertel hier ausdrücklich nicht gedankenlos als „Must See“ anpreisen möchten. Was hier passiert, ist und bleibt Prostitution. Würde man die Frauen fragen, ob sie diesen Job freiwillig machen, dürfte die Antwort zu nahezu 100% „Ja“ lauten. Und natürlich gibt es dort kaum Zuhälterei und die Frauen sind freiwillig da – so freiwillig wie man eben da sein kann, wenn man aus einem Land kommt, in dem man mit einem normalen Job kaum überleben kann. Jeder sollte sich im Vorfeld Gedanken dazu machen, wie er zu diesem Thema steht.

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1 comment
  1. Deine Gedanken zur Prostution in Amsterdam teile ich… besonders den letzten Bereich. Freiwilligkeit basierend aus einer Notsituation…das mag man, nein sollte man in Frage stellen!

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