Schwedisch Lappland

Das erste Mal im Eis: 24h in Schwedisch Lappland

Normalerweise weiß ich ziemlich genau, worüber ich in einem Blogartikel schreiben will. Ich denke mir einen Titel aus, überlege mir, was Euch denn alles zu diesem Thema interessieren könnte und versuche möglichst viele Informationen und Erfahrungen mit auf den Weg zu geben. Der Artikel über Schwedisch Lappland wird ein wenig anders. Beziehungsweise ist es eigentlich schon falsch, es einen Artikel über Schwedisch Lappland zu nennen, denn wir waren gerade mal einen Tag dort. Und in nur 24 Stunden wertvolle Informationen über einen Ort zu sammeln – das geht nicht. Ich habe deshalb eine Weile mit mir gehadert, ob ich überhaupt über Schwedisch Lappland schreiben soll…Mehrwert und so. Aber hey, das ist hier mein Internetz, wenn nicht hier, wo dann. Und aus diesem Grund werde ich sehr wohl über Schwedisch Lappland schreiben, denn die Eindrücke müssen irgendwohin. Das erste Mal im Eis hat mich -hat uns- nachhaltig beeindruckt.

Ihr erwartet jede Menge Information und konkrete Reisetipps, was Ihr in Schwedisch Lappland so anstellen könnt und warum Ihr dort unbedingt hin müsst? Sorry, Fehlanzeige. Da müsst Ihr nochmal googeln gehen. Falls Ihr aber Lust auf ein wenig ungeordnete Erzählerei und eisige Bilder habt und immer schonmal wissen wolltet, ob Schlittenhunde eigentlich wenigstens zum Kacken anhalten – herzlich Willkommen!

Stopover in Kiruna (Schweden): Ankunft im Eis

Sonnenuntergang in Schweden

Wie es uns überhaupt nach Schwedisch Lappland verschlagen hat, ist relativ simpel erklärt: Wir wollten auf die Lofoten in Norwegen und das Örtchen Kiruna in Schweden sah für uns wie ein brauchbarer Ausgangspunkt dafür aus (günstige Flüge, günstiges Mietauto). Von dem Ort hatten wir noch nie zuvor gehört, der Flughafen sah winzig aus und dementsprechend haben wir die totale Einöde erwartet. Daher waren wir erstmal ziemlich angefressen als wir tatsächlich im Touristen-Bomber Richtung Schwedisch Lappland saßen. Mit uns im Flieger: Nur Deutsche, von oben bis unten perfekt ausgestattet mit professioneller Funktionsbekleidung, denn es hat ja immerhin sicher Minus Drölf Grad. Und Asiaten, jede Menge Asiaten. Solche, die mit ihrem Smartphone mit Blitz im Dunkeln fotografieren. Direkt nach der Landung, noch auf der Flugzeugtreppe auf dem Weg nach unten. I like.

Die romantische Illusion, im einsamen Winterwonderland  gelandet zu sein, ist also erst einmal recht jäh zerplatzt. Wikipedia sagt uns, dass die Menschen in Kiruna in Schwedisch Lappland tatsächlich primär vom Tourismus leben und dass die ganze Stadt auf einer einsturzgefährdeten Eisenerzgrube gebaut ist und deshalb in den nächsten Jahrzehnten vollständig umgesiedelt werden muss. Das wird bestimmt lustig für alle. Was genau die Touristen hier tun, wird uns allerdings nur so semi-klar. Wir hören von dem berühmten Eishotel in Jukkasjärvi, das nur knapp 20km entfernt liegt….aber dafür extra hierher kommen? Echt jetzt? So richtig anfreunden können wir uns an unserem ersten Abend nicht mit Kiruna, aber das müssen wir ja auch nicht, wir sind ja nur Durchreisende.

Schwedisch Lappland: Von klirrenden Wasserfällen und einsamen Häuschen im Wald

Am nächsten Morgen entdecken wir beim Frühstück im wahrscheinlich schlimmsten Hotel von ganz Kiruna immerhin eine Sache, die wir ganz nett finden: Polarbrot. Schmeckt mega lecker und wird somit an Ort und Stelle zum Hauptnahrungsmittel für die nächsten 8 Tage auserkoren. Wir holen unseren Mietwagen, sind traurig, dass er nicht auch so lustige Riesenscheinwerfer vorne drauf hat wie scheinbar alle anderen Autos in Schwedisch Lappland und fahren damit erst einmal tonnenweise Polarbrot und Ost (eine Art Schmierkäse in Tuben) im Supermarkt einkaufen. Vor uns liegen knapp 200km durch das klirrend kalte Nordschweden auf dem Weg Richtung Norwegen. Die E10, die später auf den Lofoten noch zur sich schlängelnden Panoramastraße werden soll, führt schnurgerade durch die schneebedeckte Landschaft von Schwedisch Lappland.

Sonnenuntergang in Lappland

Schwedisch Lappland Winterlandschaft

Schwedisch Lappland Winterlandschaft

Sie führt uns vorbei an Bäumen und Sträuchern, von denen aufgrund des meterhohen Schnees nur noch die Spitzen zu sehen sind, vorbei an bis unters Dach in Schnee begrabenen kleinen Holzhäuschen, vorbei an komplett zugefrorenen Flüssen, aus denen nur noch an wenigen Stellen dunkel das Wasser hervorblitzt. Immer wieder wird die weiße Einöde aus Bäumen und Sträuchern von riesigen schneebedeckten Flächen ohne jegliches Gestrüpp unterbrochen – wir können nur erahnen, dass sich darunter riesige Seen befinden müssen. An einem völlig zugefrorenen Wasserfall halten wir an und legen bei ca. -18°C eine spontane Fotosession am Straßenrand ein – das herunterstürzende eisblaue Wasser auf den dunklen Steinen sieht einfach zu abgefahren aus. Hinter dem ganzen Eis hörte man es übrigens kräftig rauschen und klirren, das Wasser floss kontinuierlich weiter (ehrlicherweise bin ich mir nicht sicher, ob ich während des Fotografierens nicht auch auf einem zugefrorenen Fluss o.ä. stand, denn ein paar Mal hat es unter mir ordentlich gekracht. Das habe ich, ganz Touri, selbstverständlich ignoriert und gedankenlos weiter fotografiert…dümdidüm).

Winterlandschaft in schwedisch Lappland

Gänse auf dem See in Lappland

Enten auf dem See in Lappland

Vereister Wasserfall in Lappland

Schwedisch Lappland Winterlandschaft

Auf der Suche nach dem Rentier

Vor lauter Staunen über zugefrorene Wasserfälle und zugeschneite Häuschen haben wir übrigens auch direkt unser erstes Rentier verpasst – das lag eigentlich ganz gechillt am Straßenrand rum. Aber weil wir dachten, dass wir sicher noch Hunderte gechillt am Straßenrand rumliegende Rentiere sehen würden (wir sind ja immerhin in Schwedisch Lappland, nicht wahr), haben wir erst einmal nicht angehalten. Das war leider eine doofe Entscheidung. Ich weiß nicht was Rentiere den ganzen Tag so tun und wo sie sich gerne aufhalten, wir haben danach jedenfalls erst einmal kein einziges Rentier mehr gesehen. Nicht mehr auf unserem weiteren Weg durch Nordschweden, nicht auf dem norwegischen Festland, nicht auf den Lofoten. In den ersten Tagen habe ich noch gespannt die Augen offen gehalten und und jeden gräulich aussehenden Felsen genau gescannt, aber irgendwann kam die Gewissheit: Das wird hier nichts mehr. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass die Hoffnung auf eine erneute Rentier-Sichtung in Lappland nicht zu unserer Entscheidung beigetragen hätte, die Lofoten einen Tag früher als geplant wieder zu verlassen. Christian verdreht oft nur noch die Augen, aber wenn es um Tiere Gucken geht, bin ich leider nicht zu bremsen. Da muss mitten auf der Straßen für Rentiere, Gänse und Füchse angehalten oder auch mal zu den Flamingos in die Karibik geflogen werden. Kann ich nix machen.

Und was soll ich sagen: Es hat sich gelohnt! Auf dem Weg zurück nach Kiruna hatte es sich wieder ein Rentier am Straßenrand bequem gemacht und ließ sich bereitwillig von mir ablichten (keine Angst, es war nicht die gleiche Stelle wie in der Woche zuvor. Ich gehe also davon aus, dass es ein anderes Rentier war und es ihm gut ging). Rentier-Fotos in Schweden: Check!

Rentier in schwedisch Lappland

Rentier in schwedisch Lappland

Mit dem Hundeschlitten durch die Nacht

Da wir nun einen Tag früher als geplant wieder zurück nach Kiruna gereist sind, hatten wir vor Ort noch ein wenig Zeit und haben uns entschieden, ein bisschen Tourikram zu machen: Hundeschlitten fahren! Angesichts der Preise von umgerechnet ca. 110€ pro Person haben wir zwar kräftig mit den Zähnen geknirscht, es aber unter Once in a lifetime verbucht und fertig. Unser Guide holt uns in Kiruna am vereinbarten Treffpunkt ab und fährt mit uns hinaus in die Einöde von Schwedisch Lappland. Als wir am Anwesen mit den Hunden ankommen werden wir schon durch lautes Gebell und aufgeregtes Jaulen begrüßt.

Die Hunde sind lustigerweise kaum zu halten und werfen sich quasi von selbst in ihr Geschirr. Wir sind an diesem Abend die einzigen Gäste und so bekommen wir eine ganz private Hundeschlittenfahrt. Die Hunde ziehen unseren Schlitten in ganz ordentlichem Tempo durch die Puderzuckerlandschaft von Lappland und schon bald weicht das Gebelle vom Anfang einem gleichmäßigen Hecheln. Unser Guide erzählt uns, dass es für die Hunde momentan bei ca. -15°C eigentlich schon deutlich zu warm ist und er hat Recht: Es dauert nicht lange bis sich einzelne Hunde immer wieder während des Rennens seitlich ein wenig zum Abkühlen in den Schnee werfen oder sich mit der Schnauze eine Ladung davon holen. Unser Ziel ist ein kleines Tipi im Wald, dort machen wir einen Moment Pause, wärmen uns am Lagerfeuer auf und trinken einen heißen Tee während die Hunde kurz verschnaufen bevor es wieder zurück geht.

Das war der niedliche Teil. Der nur halb so niedliche Teil an einer Hundeschlittentour (und the ugly truth) ist: Durch die Rennerei wird die Verdauung der Hunde angeregt. Nuff said. Wickelt Euch den Schal so feste Ihr könnt über die Nase. Euch wird höchstwahrscheinlich nichts treffen (gut, das kommt eventuell auch ein wenig auf die Geschwindigkeit an), aber allein der Geruch….alter Verwalter. Nennt mich naiv, aber das war mir vorher so nicht klar.

Daher lauten meine 5 ULTIMATIVEN Tipps für die PERFEKTE Hundeschlittentour (hätte ich einen eigenen Artikel zu der Tour geschrieben wäre das meine Clickbaiting Überschrift gewesen):

  1. So weit wie möglich nach hinten auf den Schlitten setzen
  2.  Schal bis unter die Augen ziehen. Doppelt wickeln. Mehr Schal = weniger Geruchsdurchdringung
  3. Nicht hinsehen
  4. Nicht atmen
  5. Hunde muss man echt mögen

Ihr könnt es Euch denken: Die Hundeschlittentour hat uns niemand bezahlt, sonst würde ich hier nicht über fliegende Kacke schreiben. Trotzdem kann ich Euch die Touren von Huskytours in Kiruna empfehlen, für die Verdauung der Hunde kann ja niemand etwas. Und Verdauung ist immer, bei jeder Hundeschlittentour. Polarlichter haben wir bei unserer abendlichen Schlittentour übrigens nicht gesehen, dafür war der Himmel leider zu bewölkt.

Viel schönere Eindrücke einer Hundeschlittentour bei Tageslicht und jede Menge brauchbare Infos zu Schwedisch Lappland findet Ihr im Gegensatz zu diesem Beitrag übrigens bei Paradisefound.de.

Haus in schwedisch Lappland

Aber wie gesagt: Information liefern war dieses Mal auch nicht mein Anspruch. Ich wollte ausnahmsweise mal lieber eine kleine Geschichte erzählen und ein paar Bilder einer beeindruckenden Landschaft zeigen, die für die meisten von uns in unseren Breitengraden mit der bloßen Vorstellung kaum greifbar ist. Das ewige Weiß, die Sonne, die zwischen Dezember und Januar nördlich des Polarkreises nie so richtig rauskommt und den Tag in einem blauen Dunst verharren lässt, die monatelang anhaltende bibbernde Kälte.

Wir sind dankbar, dass wir das erleben durften – auch wenn es nur 24 Stunden waren.

15 comments
  1. Ich liebe dieses Winterwonderland! Ich war mal im finnischen Lappland (Rovaniemi) und es hat auch mich nachhaltig beeindruckt. Ich habe übrigens kein Rentier gesehen. Statt einer Schlittenhundefahrt haben wir eine Snowboardtour gemacht-auch sehr schön und ohne fliegende Scheiße. Wobei ich als Hundebesitzerin es immer Geschenk nenne. Weil ich so ungerne sage, dass der Hund gekackt hat. Er hat ein Geschenk gemacht ist doch irgendwie netter aber geflogen kommen muss es nicht 😉
    Herzliche Grüße
    Sabine

  2. Irgendwie ist auf dieser Welt alles Tourismus – selbst in der “Wildnis” sind Touristenmassen über Touristenmassen wohl zu erwarten 🙂 Dennoch sehen die Bilder atemberaubend aus und dieses perfekte Weiß ist unglaublich! So viel Schnee auf einem Haufen – und ich meine schönen, frischen, sauberen Schnee und nicht die Matschversion unserer Städte – habe ich ehrlich noch nie gesehen. Würde es aber gerne. Und eine Hundeschlittentour müsste ich auch unbedingt mal planen, mit oder ohne strenger Geruch. Der Geruchssinn passt sich bekannterweise ja sehr schnell an 😉
    Viele Grüße
    Maria

    1. Erstens das und zweitens ist der Geruchssinn ja auch von Mensch zu Mensch verschieden. Ich z.B. habe das gar nicht als so schlimm empfunden, aber gut, ich saß auch hinten auf dem Schlitten. Die Hundeschlittentour ist wirklich zu empfehlen! Grüße, Christian

  3. Hallo Katrin,
    jetzt bin ich ein wenig neidisch auf die prachtvolle Winterlandschaft! Soviel Natur und wunderbare Ausblicke. Besser haette ich einen Beitrag ueber 24 Stunden im Lappland nicht beginnen koennen. Wir wollen doch ein wenig authentisch bleiben, oder? Der Bericht ueber die Hundeschlittenfahrt ist dir auf jeden Fall gelungen. Und die Tipps!!

    Liebe Grüße!

  4. Hahaha, ich hab ja gerade echt laut gelacht. Bisher stellte ich mir so eine Hundeschlitten Tour immer total romantisch vor. Bei fliegender Scheisse endet das natürlich abrupt. Trotzdem klingt es als wäre es das Geld wert gewesen und eure Fotos von dieser verschneiten Landschaft machen ein klein wenig neidisch.

    Viele Grüße
    Victoria

  5. Dieser zugefrorene Wasserfall ist ja der Hammer! Die Landschaft muss ja wirklich faszinierend sein. Ich bin ja nicht so der Winterfan und fliegende Scheiße muss ich auch nicht unbedingt haben. Insofern schön, dass ich über deinen amüsanten Bericht daran teilhaben kann und nicht selber frieren muss.

    Liebe Grüße aus Laos
    Gina

    1. Als Winterfan würde ich mich auch nicht bezeichnen – es war auf jeden Fall eine “Erfahrung”. So bald muss ich allerdings auch nicht mehr in die Kälte 😉 Grüße, Christian

  6. Hallo Katrin,
    Du wirst lachen, ich kenne eine ganze Menge Leute, die schon im Eishotel übernachtet haben. Und sooo viele Menschen kenne ich ja nicht; wenn ich das hoch rechne, muss das immer übervoll sein… 😉
    Davon abgesehen war ich schon oft im Norden Skandinaviens und finde die stundenlangen Autofahrten durch irgendwelche Einöden auch nicht so toll wie Dein Profilbild mit einer frischen Kokosnuss irgendwo in der Wärme. Dazu kommt ja noch, dass von den 24 Stunden in Kiruna ungefähr 22 dunkel sind… Muss man mögen, und das tun ja viele. Zum Glück ist die Welt groß genug.
    Über meine Schlittenhundefahrt habe ich auch einen Bericht, die war bei Tag und ich saß vorne. Kann mich aber echt nicht erinnern, ob das so stank? Vielleicht war es zu kalt dafür. 🙂
    Liebe Grüße,
    Barbara

  7. Liebe Katrin,
    auch wenn ich selber eher der Sonne, Sand und Meer Typ bin – die Bilder von Eis und Schnee sind der Wahnsinn! Was ich besonders witzig gefunden habe ist deine Beschreibung der Hundeschlitten-Fahrt. Dieser Aspekt war mir auch nicht klar 🙂
    Viele Grüße aus Salzburg
    Elena

  8. Hallo Katrin,
    danke für diesen “coolen” Bericht, ich musste dank der asiatischen Tourihorden und der Hundekacke gehörig schmunzeln. Wer rechnet auch mit so was – dem einen und dem anderen. Und die Rentiere sind wirklich zum Knuddeln!
    Liebe Grüße,
    Marion

  9. Hallo Katrin,

    Kiruna ist auch ein guter Ausgangspunkt, wenn man auf dem Kungsleden trekken will. Ich bin gerade letzten Freitag aus dem finnischen Lapland wieder gekommen. Ski fahren, Langlauf, Polarlichter, Huskies, Rentiere usw. im Winterkleid erlebt…

    Gruss Mario

  10. Sehr schöner Artikel mit wundervollen Fotos, wow! 🙂
    Ich denke Lappland ist definitiv eine Reise wert, nach meinem Studium will ich unbedingt mal dort vorbei.
    Ist für mich persönlich viel interessanter als die klassische “Australien”-Reise, danke für die Einblicke!

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