Fluggastrechte Europa

Fluggastrechte simpel erklärt: So gibt es Geld zurück wenn Dein Flug verspätet ist

Hände hoch: Wer von Euch hatte auch schon einmal mit einer Flugverspätung oder gar einem kompletten Flugausfall zu kämpfen und wusste in dieser Situation genau, wie er sich richtig verhalten muss, um am Ende eine Entschädigung von der Fluggesellschaft zu erhalten? Niemand? Prima, wir nämlich auch nicht. Bisher ging das für uns glücklicherweise relativ glimpflich aus und bis auf ein paar Stunden Verspätung ist nichts Schlimmes passiert, aber das hätte auch anders laufen können. Besonders wenn Ihr Euren Anschlussflug verpasst, am Ankunftsort bereits die Unterkunft bezahlt ist oder Ihr den Start eines Roadtrips oder aufregende Abenteuer geplant habt und nun alle Buchungen verfallen lassen müsst, ist das einfach nur mega ärgerlich und kann richtig ins Geld gehen.

Wie genau sehen Eure Rechte nun im Falle einer Flugverspätung, eines Flugausfalls oder bei einer Umbuchung Eures Fluges aus? Was darf die Fluggesellschaft, was müsst Ihr akzeptieren und wo winkt eine Entschädigung? Das alles und wie Ihr Euch im konkreten Fall richtig verhaltet, um am Ende auch an Euer Geld zu kommen, verraten wir Euch in diesem Artikel.

Fluggastrechte: Kenne Dein Recht

Im Falle einer Flugverspätung, eines Ausfalls oder einer kurzfristigen Umbuchung zu Euren Ungunsten gibt es einen gesetzlich garantierten Anspruch auf Entschädigung. Dies wird seit einigen Jahren durch die EU-Fluggastrechteverordnung (EU-VO-261/2004) geregelt, die dafür sorgt, dass Ihr während der Verspätung von der Fluggesellschaft versorgt werden müsst (z.B. mit Essen, Getränken oder der Möglichkeit zu telefonieren, was gerade im Ausland sehr teuer sein kann). Aber das Beste ist: Auch eine finanzielle Entschädigung durch die Fluggesellschaft steht Euch zu! Und zwar zusätzlich zu den eventuell bereits durch die Fluggesellschaft erbrachten Leistungen wie bspw. eine Hotelübernachtung oder Verpflegung. Die Höhe der Entschädigung schwankt dabei zwischen 250€ und 600€ und bemisst sich immer daran, mit wieviel Verspätung Euer Flug letztlich den Zielflughafen erreicht.

Wie genau sehen nun die Voraussetzungen für eine Entschädigung aus wenn Euer Flug verspätet war und was ist dabei im konkreten Fall zu beachten, damit Ihr am Ende nicht mit leeren Händen dasteht?

Entschädigung bei Flugverspätung, Flugausfall oder Umbuchung des Flugs: Voraussetzungen laut EU Fluggastrechteverordnung

Flug in der EU oder EU-Fluggesellschaft

Das Wichtigste vorneweg: Die Fluggastrechteverordnung gilt nur für die Europäische Union. Konkret bedeutet das, dass der Flug der EU zuzurechnen sein muss. Das heißt, der Flug muss entweder innerhalb der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verlaufen oder in einem Land der EU starten oder landen. Bei letzterem, also ein Flieger, der nur in der EU landet, aber dort nicht gestartet ist, muss die Fluggesellschaft außerdem ihren Sitz in der EU haben. British Airways ist damit demnächst wohl raus 😉

Wichtig ist dabei, wo ihr den Flug gebucht habt. Habt Ihr zum Beispiel bei der Lufthansa gebucht, der Flug wird dann aber über Codeshare z.B von United Airlines ausgeführt, gilt das trotzdem als EU-Flug – wenn er zumindest innerhalb der EU startet oder landet.  Unter EU im Sinne der Fluggastrechteverordnung sind die 28 EU-Länder einschließlich einiger Übsersee-Departements zu verstehen, hier gibt es eine genaue Übersicht der Länder.

Die Fluggesellschaft ist schuld

Weiterhin, und das ist ganz wichtig, darf die Verspätung, der Flugausfall oder die Umbuchung Eures Flugs nicht auf außergewöhnliche Umstände zurückzuführen sein. Dieser Begriff ist zunächst etwas schwammig. Einfach gesagt: Die Verspätung muss im Verantwortungsbereich der Fluggesellschaft oder des Flughafens liegen und hätte vermieden werden können. Im Falle von Terroranschlägen, Naturkatastrophen oder Streiks dürft Ihr somit natürlich nicht mit einer Entschädigung rechnen, bucht Euch die Fluggesellschaft aber z.B. kurzfristig um wegen Überbuchung, dann durchaus. Kurz gesagt: Wenn die Airline nichts für die Verspätung kann, muss sie dafür auch keine Entschädigung zahlen. Deswegen suchen die Fluggesellschaften in der Regel nach genau solch schwammigen Gründen, um die Entschädigungszahlungen an gestrandete Passagiere zu vermeiden. Lasst Euch hier nicht an der Nase herumführen, sondern lasst Euch den Grund für die Verspätung am besten sofort schriftlich bestätigen.

Was ist wenn der Flug ausfällt oder umgebucht wird?

Wenn Euer Flug nicht nur verspätet ist, sondern gleich komplett ausfällt, gelten grundsätzlich die gleichen Regelungen wie bei Flugverspätungen. Auch hier steht Euch selbstverständlich eine Entschädigung zu. Wird Euer Flug umgebucht, kann diese Frage nicht mehr so pauschal beantwortet werden und es kommt auf die Betrachtung des konkreten Einzelfalles an. Wenn Euch die Annullierung oder die Umbuchung mehr als 14 Tage vor dem Flug angekündigt wird,  könnt Ihr eine Erstattung des Ticketpreises verlangen, ein Schadensersatz steht Euch dabei aber erst einmal nicht zu. Wird der Flugausfall dagegen nur kurzfristig mitgeteilt, stehen Euch wiederum Entschädigungszahlungen zu, wenn der Euch angebotene Ersatzflug verspätet das Ziel erreicht.

Entschädigung bei Flugverspätung: Das steht Dir zu

Nun aber mal Butter bei die Fische: Wieviel Geld und welche Leistungen stehen Euch zu, wenn Euer Flug verspätet ist? Die Höhe der Entschädigung hängt grundsätzlich von zwei Faktoren ab: 1. Von der Länge der Flugstrecke und 2. der Dauer der Verspätung.

Generell gilt: Einen Anspruch auf Entschädigung habt Ihr bei einer Verspätung von 3 oder mehr Stunden. Wie die Leistungen im Einzelnen aussehen, könnt Ihr hier sehen:

Fluggastrechte Entschädigung Flug verspätet

Bei einem kurzen Flug von bis zu 1.500 km erhaltet Ihr ab einer Verspätung von drei Stunden 250 Euro. Ist der Flug länger als 1.500 km, beträgt die Höhe der Entschädigung mindestens 400 Euro. Bei einem Flug, der länger als 3.500 km ist und dessen Verspätung sogar mehr als 4 Stunden beträgt, bekommt Ihr sogar 600€.

Bereits ab einer Verspätung von zwei Stunden stehen Euch  sogenannte Unterstützungsleistungen zu. Und zwar unabhängig davon, wer die Schuld an der Verspätung hat. Das heißt, Ihr müsst am Flughafen Verpflegung, Essen und Getränke bekommen. Das ist im Einzelfall nicht genau geregelt, sondern es kommt auch ein wenig auf die Umstände an. Erwartet kein Menü, aber eine grundlegende Versorgung sollte die Airline zur Verfügung stellen. Weiterhin stehen Euch kostenlose Anrufe und eMails zu, damit Ihr mit der Verspätung umgehen könnt (Anrufe beim Hotel, dem Mietwagenverleih oder den Liebsten zuhause, die Euch abholen müssen). Wenn sich die Reise durch die Verspätung soweit nach hinten schiebt, dass der Flug erst am kommenden Tag angetreten werden kann, muss die Airline Euch in einem Hotel unterbringen und auch den Shuttle-Service dorthin organisieren. Das kann insbesondere bei Anschlussflügen schnell ein größeres Thema werden.

So verhältst Du Dich richtig bei Flugverspätung oder Flugausfall

Beweise sichern

Damit Ihr Euer Recht auf Entschädigung auch geltend machen könnt, gibt es einige Dinge zu beachten. Das kann im Ernstfall über Sieg oder Niederlage entscheiden, denn Ihr müsst beweisen können, dass Euch der Anspruch zusteht. Das beginnt logischerweise damit, dass Ihr alle Dokumente aufbewahren solltet. Egal ob die Verspätung bereits vor dem Einsteigen oder erst in der Luft entsteht, versucht Euch den Grund der Verspätung bereits vor Ort schriftlich bestätigen zu lassen. Die Airline oder die Kundenbetreuer am Flughafen müssen bescheinigen, dass die Verspätung nicht auf “außergewöhnlichen Umständen” beruht. Vielleicht werden sich die Mitarbeiter hier mit schwammigen Aussagen davor drücken oder eine fadenscheinige Begründung liefern, zum Beispiel “starke Winde”, aber das ist nicht ausreichend. Es muss schon ein handfester Umstand sein, der in dieser Form nicht vorhersehbar war.  Zur Beweissicherung empfiehlt es sich übrigens, alles mit der (Handy-)Kamera zu fotografieren, also die Displays am Flughafen oder die Abflugtafeln.

Notiert Euch alle Kosten, die am Flughafen angefallen sind und hebt auch hier die Belege auf. Alle Extrakosten, die wegen der Verspätung verursacht werden, können später zurückgefordert werden, aber nur, wenn Ihr auch belegen könnt, dass Ihr diese Ausgaben wirklich hattet und sie notwendig waren.

Unzureichende Angebote ablehnen

Wichtig ist ebenfalls, unzureichende Leistungen seitens der Airline abzulehnen. Die Airline bietet Euch an, auf eigene Kosten eine höhere Klasse zu buchen, so dass Ihr doch noch Euren nun überbuchten Ursprungs-Flug nehmen könnt? Oder Ihr sollt an einem anderen Ort zwischenlanden und dort geht es erst nach einer selbst zu zahlenden Übernachtung weiter? Bitte alles ablehnen. Sollte man Euch Vergleichsangebote machen, die weit unter den möglichen Entschädigungen liegen, solltet Ihr ebenfalls skeptisch werden. Überlegt Euch immer, was es Euch jetzt in diesem Moment kosten würde, Eure Weiterreise zu organisieren. Ist der Betrag deutlich teurer als die mögliche Entschädigung, lehnt den Vergleich ab. Das Wichtigste ist: Unterschreibt bitte nichts vor Ort! Sonst lauft Ihr Gefahr, auf mögliche Ansprüche und Zahlungen zu verzichten. Die Airlines wissen genau um die drohenden Entschädigungszahlungen und werden Euch in der Regel nichts anbieten, bei dem Ihr besser gestellt seid 😉

Freundlich bleiben

Wichtig bei all dem Stress ist es, dennoch freundlich und nett zu bleiben. Auch für die Flughafenangestellten bedeutet eine Flugverspätung Stress und Freundlichkeit kann hier wirklich wahre Wunder bewirken. Macht im Falle der Verspätung Euren Standpunkt klar, lehnt unzureichende Angebote ab, aber werdet nicht übellaunig. Das hat auch einen ganz pragmatischen Hintergrund: Wenn Ihr am Schalter zankig oder aufbrausend werdet, kann Euch die Airline die Beförderung verweigern. Die Airline muss bei jedem Passagier einschätzen, ob er eine potentielle Gefahr für die Mitfliegenden darstellen könnte. Benehmt Ihr Euch nach Einschätzung des Personals eindeutig daneben, kann Euch die Beförderung verweigert werden. Das kommt sicher nicht sehr häufig vor, aber die Option besteht. Mit der richtigen Freundlichkeit macht Ihr es also nicht nur Eurem Gegenüber leichter, Ihr werdet damit auch weiter kommen als mit schlechter Laune.

Fluggastrechte: So kommst Du an Dein Geld wenn Dein Flug verspätet ist

So, das Kind ist nun also in den Brunnen gefallen: Euer Flug war verspätet oder ist komplett ausgefallen, Ihr hattet riesigen Stress vor Ort und viele Kosten. Wie kommt Ihr nun an Euer Geld? Im Grunde gibt es drei verschiedene Wege, wie Ihr sowohl die entstandenen Kosten als auch die Euch zustehende Entschädigung im Rahmen der Fluggastrechteverordnung einfordern könnt. Und so gehts!

Entschädigung bei Flugverspätungen selbst einfordern

Der naheliegendste Weg ist es, sich direkt an die Airline zu wenden, um die Entschädigung zu erhalten. Hierzu sollte man zunächst einmal durchrechnen, wie hoch der eigene Anspruch ausfällt. Zur Geltendmachung Eures Anspruchs könnt Ihr Euch ein Musterformular herunterladen und ausfüllen. Dieser Weg ist zwar der direkte und ist ohne weitere Kosten möglich, die Erfahrung vieler Reisender zeigt aber, dass die Aussicht auf Erfolg recht gering ist. Die Fluggesellschaften stellen sich meist quer oder taub und reagieren einfach nicht. Stellt Euch auf aufwendigen Schriftverkehr ein und rechnet damit, Euren Anspruch mit Hilfe eines Anwaltes gerichtlich einfordern zu müssen. Das wiederum ist mit weiteren Kosten verbunden und auch mit dem Risiko, mit Verlust aus der Sache herauszugehen.

Nutze die SÖP als Vermittler

Wenn sich die Airline weigert oder totstellt, kann man Schlichter einschalten. Dabei hilft die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP), welche den Anspruch prüfen und vermitteln kann. Jedoch wird dieses Schlichtungsverfahren einiges an Zeit brauchen, über die Erfolgsaussichten dieses Verfahrens können wir leider nichts sagen. Weitere Kosten entstehen hierbei jedenfalls keine.

Fluggastrechte mit Hilfe professioneller Dienstleister durchsetzen

Im Laufe der Jahre haben sich viele professionelle Dienstleister etabliert, die sich um die Rechte der Passagiere bemühen, indem sie die Entschädigungsansprüche selbst gegenüber der Fluggesellschaft eintreiben. Dies bedeutet zwar, dass eine Erfolgsprovision für den jeweiligen Dienstleister fällig wird (meistens ca. 25% der Entschädigungssumme), dafür wird Euch aber auch die gesamte Arbeit abgenommen. Da auf Seiten der professionellen Anbieter auf Reiserecht spezialisierte Juristen sitzen, ist die Chance auf eine erfolgreiche Zahlung viel höher, als wenn man es selbst versucht. Die Provision wird bei allen Anbietern nur im Erfolgsfall fällig, d.h. Euch entstehen bis dahin keinerlei Kosten.

Das Basis-Angebot all dieser Dienstleister ist im Grunde fast identisch: Bei Fairplane z.B. zahlt man im Erfolgsfall  24,5% der Entschädigungssumme, bei Flug-verspaetet.de sind es 25% (jeweils zzgl. Mehrwertsteuer). Bei diesem Basis-Angebot müsst Ihr in der Regel 8-10 Wochen auf Euer Geld warten. Möchtet Ihr Euer Geld sofort ohne Wartezeit haben, sieht die Welt etwas anders aus: Dabei tretet Ihr Eure Ansprüche mit sofortiger Wirkung vollständig an den Dienstleister ab und das bedeutet für den Dienstleister natürlich ein erhöhtes Risiko, weil er die Erfolgsaussichten noch nicht abschätzen kann. Für Euch bedeutet das, dass Ihr für diese Speed-Variante eine dementsprechend höhere Provision zahlen müsst, üblicherweise zwischen 35 und 50%. Solltet Ihr Euch also für diese Variante entscheiden, weil Ihr die Entschädigung sofort haben möchtet, solltet Ihr bei der Wahl des Anbieters genau hinschauen.

Denke an die Verjährung

Das Recht auf eine Entschädigung für Flugverspätungen oder ganze Flugausfälle gilt nicht nur für die Flüge, die gerade erst stattgefunden haben, sondern auch bereits für vergangene Flüge. Verjährung ist das Stichwort! Für diese Ansprüche aus der Vergangenheit gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren nach § 195 BGB. Denkt also doch mal kurz darüber nach, ob Ihr nicht in den letzten Jahren einen Flug mit großer Verspätung hattet. Der Ärger, den Ihr damals damit hattest, könnte sich nun in einen kleinen Verdienst umwandeln. Wichtig dabei ist nur, dass auch für diesen Flug noch alle Unterlagen und Dokumente vorhanden sind, so dass Ihr beweisen könnt, dass Ihr damals tatsächlich diesen Flug gebucht habt und es Probleme damit gab. Ob Euch für Flüge in der Vergangenheit noch Entschädigungszahlungen zustehen, könnt Ihr genau wie bei noch nicht lange zurückliegenden Flügen bei den meisten Anbietern ganz bequem mit ein paar Klicks direkt auf der Startseite überprüfen. Spuckt die Maschine ein positives Ergebnis aus – Go for it! 😉

Selbstverschuldeter Flugausfall? Das kannst Du tun wenn Du deinen Flug stornieren musst

An dieser Stelle möchten wir noch einen kleinen Spezialfall behandeln, der vielen von Euch sicher nicht bewusst ist. Wart Ihr schon einmal in der Situation, dass Ihr aus Kostengründen ein nicht stornierbares Ticket gebucht habt (selbstverständlich ohne Rücktritts- oder Stornoversicherung) und dann passiert es – Ihr könnt oder wollt den Flug auf keinen Fall antreten. Entweder weil Ihr wirklich krank seid, über Euer Urlaubsland ist gerade ein Hurricane gefegt, Euer Hund ist krank oder Eure Freunde haben sich von allen 365 Tagen im Jahr genau diesen einen für ihre Hochzeit ausgesucht, der mitten in Euren Urlaub fällt – JUHU! Und nun? Wenn es nach den Airlines geht, bleibt Ihr auf den Kosten für den Flug komplett oder zumindest teilweise sitzen. Ganz schön fies, wenn man bedenkt, dass die Airline im Falle einer Stornierung des Tickets Euren Platz einfach nochmal verkaufen kann. Was könnt Ihr also tun?

Auch hier gibt es wieder Anbieter wie z.B. Ticket Refund, die Euch bei der Durchsetzung Eures vertraglichen Kündigungsrechtes unter die Arme greifen. Ihr könnt so gegen eine Provision (meist max. 30% der Preiserstattung) einen Großteil der Ticketkosten zurückholen, auch bei nicht stornierbaren Tickets. Wichtig dabei ist allerdings, dass Ihr Euren Flug in jedem Fall storniert und das so schnell wie möglich, d.h. sobald Ihr bescheid wisst, dass Ihr ihn nicht antreten könnt. Lasst Ihr den Flug einfach verfallen, habt Ihr leider keine Chance auf eine Rückerstattung. Auch hier gilt wieder: Auch bereits vor einiger Zeit selbst stornierte Flüge sind noch erstattungsfähig – was geht und was nicht geht, könnt Ihr bei den entsprechenden Anbietern durchprüfen lassen.

Einschränkungen der Fluggastrechte und Entschädigungen bei Ryanair: Dürfen die das?

Manch einer von Euch hat es vielleicht mitbekommen: Die Fluglinie Ryanair war Mitte 2016 in die Schlagzeilen geraten mit einer Änderung ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Demnach wurde Passagieren kurzerhand verboten, die Entschädigungsansprüche im Falle von Verspätungen oder Stornierungen an Dritte abzutreten. Das heißt, Ryanair hat per AGB seinen Passagieren verboten, Ansprüche mit Hilfe der oben beschriebenen Dienstleister geltend zu machen. Unglaublich, oder? Wer also auf seine Entschädigung bestehen wollte, konnte dies nur persönlich einfordern, mit dem damit verbundenen Zeitaufwand und Risiko. Diese AGB-Änderungen wurden zwischenzeitlich jedoch gleich in mehreren Gerichtsverfahren als unwirksam erklärt. Ihr müsst Euch also keine Sorgen mehr machen: Auch wenn Ihr mit Ryanair geflogen seid und mit einer Verspätung zu kämpfen hattet, könnt Ihr die Hilfe von professionellen Dienstleistern nutzen, um Eure Entschädigung im Rahmen der Fluggastrechte einzutreiben. Ryanair darf diesen Weg nicht per AGB ausschließen!

Fluggastrechte und Entschädigungszahlungen: Unser Fazit

Das Thema Fluggastrechte wirkt für die meisten von uns auf den ersten Blick ziemlich kompliziert, daher haben wir in diesem Artikel versucht, das Ganze möglichst verständlich für Euch darzustellen. Ich hoffe, das ist uns gelungen. Bei näherer Betrachtung verliert die Thematik schnell an Komplexität und wenn Ihr die wichtigsten Punkte auf dem Schirm habt, kann eigentlich auch vor Ort am Flughafen nichts mehr schiefgehen (Ihr könnt Euch die Tabelle oben gerne abspeichern und ausgedruckt mit auf Eure Reisen nehmen, dann wisst Ihr immer bescheid).

Dennoch kann das Eintreiben der Euch zustehenden Entschädigungszahlungen auf eigene Faust ziemlich frustrierend sein – nicht weil Ihr im Unrecht seid, sondern weil es David gegen Goliath ist. Daher empfehlen wir Euch, professionelle Hilfe von einem darauf spezialisierten Anbieter in Anspruch zu nehmen. Die Airlines wissen, dass diese Anbieter nicht vor teuren Gerichtsverfahren zurückschrecken und zahlen daher in der Regel anstandlos die Entschädigung aus. Das kostet Euch zwar ein wenig Provision, erspart Euch aber auch den ganzen Ärger.

Wir selbst hatten bisher blöderweise nur außerhalb der EU richtig heftige Verspätungen und haben dafür leider keinen Cent gesehen. Welche Erfahrungen habt Ihr bereits gemacht?

8 comments
  1. Gestrandet im Nirgendwo! 😀
    Verspätungen oder Ausfälle sind wirklich lästige Begleiter, insb. wenn eine längere Terminkette dran hängt!
    Ich habe mittlerweile auch schon einen kleinen Turnus bei Flugverzögerungen drin. [Link entfernt]
    Vielen, lieben Dank für die mühevoll angelegte Tabelle!
    Ich finde eure symphatische Schreibweise einfach spitze. Freue mich auf neuen Lesestoff von euch!
    Verschneite Grüße an diesem kalten Apriltag

  2. muss die Fluggesellschaft einem den Grund für die Verspätung oder Ausfall s c h r i f t l i c h mitteilen oder kann sie sich weigern?

    1. Hi du, es ist natürlich immer besser wenn man den Grund schriftlich vorliegen hat, aber eine Pflicht zur schriftlichen Bestätigung besteht seitens der Fluggesellschaft meines Wissens nicht. In diesem Fall würde ich einfach so viele Beweise wie möglich sammeln – Fotos der Anzeigetafel, Tonaufzeichnungen oder tausche Kontaktdaten mit anderen Betroffenen aus, um euch gegenseitig als Zeugen benennen zu können.
      Viele Grüße, Katrin

  3. Unser Flug hat sich 18 Stunden verspätet. Die Fluggesellschaft hat wegen der Frankfurter Buchmesse ein Transfer und eine Hotelübernachtung ins 2,5 h entfernte Bad Kissingen angeboten. Das haben wir abgelehnt und uns selbst eine Übernachtung in Frankfurt gesucht. Inzwischen hat die Fluggesellschaft innerhalb einer Woche die 600 EUR pro Person Entschädigung zugesagt, worüber wir uns natürlich sehr freuen. Wir sollen jedoch, wenn wir unsere Kontodaten mitteilen, gleichzeit eine Einverständniserklärung unterschreiben, dass mit der Zahlung der Entschädigung alle weiteren Kosten abgegolten sind.
    Ist das wirklich so? Wir meinen, 2,5 h Transfer Hin und wieder zurück sind auch eine Zumutung!!!

    1. Hi Angela, ich vermute mal, dass sich das Ganze inzwischen schon geregelt hat, oder? Um deine Frage dennoch zu beantworten: Mit Annahme der Entschädigungszahlung ist immer eine Abgeltung eventueller weiterer Zahlungen verbunden, d.h. ihr verzichtet durch Annahme der Entschädigungssumme auf die Geltendmachung sonstiger Ansprüche und Ausgleich von Schäden, die im Zuge der Verspätung entstanden sein könnten. Das ist auch richtig und so gewollt vom Gesetzgeber, denn die Fluggastrechte sollen eine Vereinfachung und Entlastung für alle Beteiligten sein. Statt dass jeder Fluggast im Falle einer Verspätung bis ins Detail die ihm entstandenen Schäden nachweist und das Ganze mühsam evtl. sogar gerichtlich durchsetzen muss, machen es die Fluggastrechte sehr viel einfacher. Man bekommt einfach einen Pauschalbetrag als Entschädigung und damit ist dann eben alles abgegolten. Im Normalfall kommt man damit ganz gut weg und freut sich über das Geld 😉 Wenn du nun aber z.B. durch die Verspätung erst 7 Tage später aus dem Urlaub zurückgekommen bist, währenddessen deine Katze verhungert ist und du deinen Job verloren hast, weil du unentschuldigt gefehlt hast, dann würde ich mir überlegen, ob du all diese Folgeschäden mit max. 600€ abgegolten siehst 😉

  4. Wir hatten 2x Glück. Einmal Gran Canaria mit Flugausfall und 1x Bangkok nach Köln, wo die Reise mit Eurowings für 2 Personen knapp 600€ gekostet hat und wir PRO PERSON 600€ erstattet bekommen haben. Es waren knapp über 4 Stunden Verspätung und so genommen eine gute WIN-Situation! 🙂
    Liebe Grüße,
    Daniel und Jessi

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