Golden Gate Bridge

Thoughts about…San Francisco // Von Obdachlosen und dem Flair des Silicon Valley

“Oh, wow, San Francisco ist echt schön! Aber die Penner dort…das ist wirklich krass…”

Das war die Standardreaktion von Menschen, denen wir von unserem bevorstehenden Aufenthalt in San Francisco erzählt haben. Egal ob sie selbst schon dort gewesen waren oder es noch vorhatten, dieser Ruf scheint San Francisco voraus zu eilen. Wir sollten aufpassen wo wir ein Hotel buchen, auf keinen Fall in der Gegend um South of Market oder Tenderloin, dort seien besonders viele Obdachlose und Kriminelle unterwegs. Als uns dieser Tipp erreicht ist es bereits zu spät, wir haben ein Hotel gebucht, das direkt an Tenderloin angrenzt. Und aufgrund der Hotelpreise in San Francisco lassen wir nun einfach Pragmatismus walten und stornieren unser Zimmer nicht.

Der erste Gang durch San Francisco und unser Viertel ist weniger erschütternd als erwartet: Obwohl wir mit unseren riesigen Koffern offensichtlich Touristen sind und es bereits dunkel wird als wir sie ächzend die Hügel hinaufziehen, werden wir weder beklaut noch angeschnorrt (in der Dunkelheit sind die Obdachlosen besonders kriminell und die Kriminellen besonders obdachlos, muss man wissen). Ja, es gibt sie, die Obdachlosen in San Francisco. Man kann sie riechen, sehen und hören. Sie stehen und sitzen, in einer für Metropolen üblichen Menge, auf den Gehwegen und gelegentlich fragen sie -sehr freundlich- nach Geld. Oder auch tatsächlich nach Essen und Getränken. Ich habe einem von ihnen meine Cola geschenkt und er hat sich aufrichtig gefreut. Manchmal brüllen sie auch wirres Zeug über die Straßen, aber für einen ordentlichen Obdachlosen gehört sich das schließlich so (man könnte sich hier die bekannte Frage nach Henne oder Ei stellen). Vielleicht bin ich als Fast-Frankfurterin zu abgebrüht, um die Obdachlosen in San Francisco als schlimm zu empfinden. Wer regelmäßig im Frankfurter Bahnhofsviertel unterwegs ist, den kann wahrscheinlich einfach nicht mehr viel schockieren. Die Obdachlosen in San Francisco haben wir als vollkommen ungefährlich und unbedrohlich wahrgenommen, auch in den Gegenden, aus denen wir uns fernhalten sollten. Es entstand nie der Eindruck, dass wir es hier mit Kriminellen zu tun haben. Solche, die uns heimlich beklauen wenn wir nicht aufpassen oder uns in einer dunklen Ecke überfallen und ausrauben. An den Touristen Hotspots wie Fisherman’s Wharf sind sie natürlich auch anzutreffen (es sei ihnen gegönnt, ist ja auch nice dort), aber sie hängen dort eigentlich eher rum als sich in aggressivem Betteln zu üben. San Francisco ist einfach schön und sogar die Obdachlosen sind harmlos und nett. Und wen wir vor allem in sehr viel größerer Dichte antreffen: Deutsche. So schlecht kann es uns und Deutschland dann wohl doch nicht gehen.

Straßen von San Francisco

Viktorianische Häuser in San Francisco

Fisherman's Wharf

Straßen von San Francisco

Seelöwen am Pier 39

Dieser “Vibe” zieht sich durch die ganze Stadt, die Menschen sind zu jeder Tageszeit von Herzen freundlich, obwohl sie eigentlich wegen der unzähligen anstrengenden Hügel permanent am Fluchen sein müssten. Als ordentliche Deutsche hatte ich deswegen und wegen der quasi nicht vorhandenen öffentlichen Verkehrsmittel natürlich einen gehörigen Abfuck, aber nach nur wenigen Stunden packt der Vibe auch mich und ich gebe das Fluchen auf. Die viktorianischen pastellfarbenen Holzhäuser, die Straßen, die vielen Hügel, die hinter jeder Kuppe mit einem neuen atemberaubenden Anblick überraschen, das unglaubliche Licht, in das die Stadt morgens von der Sonne getaucht wird – wir sind beeindruckt. Kurze Zeit später finde ich mich auf einem Fahrrad wieder, glücklich die Hügel hinauf radelnd (ich fahre sonst nur widerwillig Rad). Wtf, San Francisco, was machst du mit mir?

Straßen von San Francisco

Golden Gate Bridge

So langsam wird mir klar was alle damit meinen, wenn sie sagen, dass San Francisco ganz anders ist als andere amerikanische Großstädte. Und auch wenn wir nicht mehr das Jahr 1969 schreiben – spätestens als wir mit dem Rad in Sausalito auf der gegenüberliegenden Seite der San Francisco Bay ankommen, bin ich innerlich zum Hippie mutiert. Es ist so wahnsinnig, wahnsinnig schön. Hier möchte ich wohnen, in einem Häuschen auf einem Hügel, den ganzen Tag auf die Golden Gate Bridge starren und beobachten wie sich Nebelschwaden und Sonnenstrahlen um die rote Brücke streiten.

Sausalito

Größtes Eis von Sausalito

Palmen in Sausalito

Dass es in San Francisco immer windig und etwas kälter ist als andernorts in Kalifornien ist mir dabei egal. San Francisco und die Bay Area liegen am Meer und werden bis weit nach Morro Bay hinunter durch die Hügel vom kalifornischen Hinterland, in dem sich die Hitze staut, abgeschirmt. Es kann hier zu enormen Temperaturunterschieden kommen – während man in San Francisco tatsächlich auch immer Sommer eventuell ein bisschen friert, wüten hinter den Hügeln beinahe jedes Jahr die Brände in der brütenden Hitze.

Was in den 1960er Jahren mit der Hippiebewegung in San Francisco begann, ist auch 50 Jahre später noch hier zu finden: Es ist diese Atmosphäre, der freie Geist, das Infragestellen bestehender Konventionen. Man kann spüren, dass hier irgendetwas anders ist. San Francisco liegt im Silicon Valley und wenn man einmal hier gewesen ist, kann man verstehen, weshalb mit dem Silicon Valley die Wiege aller Innovation ausgerechnet hier entstanden ist.

We don’t get a chance to do that many things, and every one should be really excellent. Because this is our life. Life is brief, and then you die, you know? And we’ve all chosen to do this with our lives. So it better be damn good. It better be worth it.

~ Steve Jobs

Vielleicht stehe ich mit meiner Faszination für das Silicon Valley alleine da, aber für mich leben (und lebten) hier, obwohl selbst kein Apple Fangirl, die kreativsten und wichtigsten Köpfe unserer Zeit. Diejenigen, die die Entwicklung der Welt und der Menschheit momentan vorantreiben. Diejenigen, die Geschichte schreiben. Ich bin dankbar dafür, dass ich ein wenig von dieser Luft schnuppern durfte.

Golden gate Bridge im Nebel


Wollt Ihr außer BlaBla auch ein paar Fakten und Tipps zu San Francisco oder wissen wie es für uns weiterging? Dann hier entlang:

 

 

 

 

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